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Mendelssohn – Vom Dunkel ins Licht

Der Konzertchor Cantus Vivus e.V. brachte zusammen mit den Gesangssolisten Julia Stratiros (Sopran), Birgit Barbara Benson (Mezzosopran), Rolf Sostmann (Tenor) und dem Sinfonieorchester der Kurpfalzphilharmonie Mendelssohns Werke Lobgesang und Wie der Hirsch schreit zur Aufführung.

Felix Mendelssohn Bartholdy
Eduard Magnus, Public domain, via Wikimedia Commons

Konzerttermine

  • Sa., 02.12.2023, 20 Uhr, St. Laurentius Weinheim
  • So., 03.12.2023, 17 Uhr, Ev. Stadtkirche Schriesheim

Programminformationen

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) ist der überragende Komponist der frühromantischen Epoche in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die wunderschöne, stets kantable Melodik und der Wohlklang seines Chorsatzes werden (auch von Cantus Vivus) ebenso geliebt wie seine warme und ausdrucksvolle Harmonik, seine farbenreiche Instrumentation sowie seine am Werk Johann Sebastian Bachs geschulten kontrapunktischen Künste.

Das gilt quer durch die verschiedenen musikalischen Gattungen, die der Komponist, der nur 38 Jahre alt geworden ist, so überaus reich beschenkt hat: 5 große Sinfonien (darunter wird als Nr. 2 auch die Sinfoniekantate Lobgesang gerechnet), mehrere Instrumentalkonzerte (darunter vor allem das vielgespielte Violinkonzert e-Moll und die beiden Klavierkonzerte in g-Moll und d-Moll), Ouvertüren und Schauspielmusik (berühmt vor allem die zum Sommernachtstraum), die großartige Kammermusik (Streichquartette und -quintette, Klaviertrios, Klavierquartette u. v. a.), Musik für Klavier solo, Lieder für eine oder zwei Gesangsstimmen mit Klavier, weltliche und geistliche Chormusik (darunter auch die beiden großen Oratorien Elias und Paulus).

Der 42. Psalm: Wie der Hirsch schreit ist eine Kantate für Sopransolo, gemischten Chor und Orchester. Ihr Text basiert auf dem alttestamentlichen Psalm 42 in der Übersetzung Martin Luthers. Das Werk ist in 7 Sätze eingeteilt: den lyrisch gehaltenen Eingangschor Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, weitere kürzere Chorsätze, Soloarien und -rezitative (teils im Dialog mit dem Chor) sowie den großartigen Schlusschor mit der prachtvollen Fuge Preis sei dem Herrn als Krönung des Gesamtbaus. Die sanften melodischen Linien, die wohltönenden Harmonien und die überwiegend weichen instrumentalen und vokalen Farben geben dem Werk das Gepräge einer eher still, aber doch tief empfundenen Sehnsucht nach Trost, Zuversicht und Vertrauen.

Der Lobgesang ist eine groß angelegte Sinfoniekantate für zwei Sopransoli, Tenorsolo, gemischten Chor und Orchester. Mendelssohn schrieb sie in den Jahren 1839 und 1840 nach einem Kompositionsauftrag der Stadt Leipzig. Diese hatte das Werk zu den Feierlichkeiten anlässlich des 400. Jubiläums der Erfindung der Buchdruckerkunst durch Johannes Gutenberg bestellt. Bereits die Uraufführung 1840 in der Leipziger Thomaskirche unter der Leitung des Komponisten war ein großer Erfolg. An dieser Beliebtheit des Werks hat sich bis heute nichts geändert.

Lobgesang ist der überaus gelungene Versuch der Verschmelzung von sinfonischen Prinzipien mit denen des geistlichen Oratoriums. Das Werk gliedert sich in einen 3-sätzigen sinfonischen Instrumentalteil sowie die 9-teilige Kantate mit wirkungsvollen, teils lyrisch-zarten, teils dramatisch-leidenschaftlichen, teils prachtvollen Solo- und Chorsätzen. Den Text stellte Mendelssohn selbst aus Bibelzitaten und dem evangelischen Kirchenlied Nun danket alle Gott zusammen.

Die zentrale Aussage des Werks ist für Mendelssohn – dem Kompositionsanlass gemäß – der Sieg der bürgerlichen Kultur, des Lichts der menschlichen Vernunft (die Erfindung des Buchdrucks wird als deren Basis verstanden) über die Finsternis der Unbildung. Dies wird mit den religiösen Bildern des Bibeltextes und vor allem mit der das ganze Werk durchziehenden Metaphorik von Dunkel und Licht gestaltet, für die Mendelssohn eine Vielzahl ergreifender musikalischer Ausdrucksformen findet.